Jeden Tag drehen Millionen von Menschen ohne nachzudenken ihren Wasserhahn auf. Doch das saubere Wasser, das herausfließt, hat eine lange und komplexe Reise hinter sich – eine Reise, die fortschrittliche Filtration, präzise Chemie und strenge Sicherheitsprüfungen umfasst.

Von Flüssen und Stauseen bis hin zu Küchenarmaturen – die Umwandlung eines einzigen Wassertropfens ist geradezu bemerkenswert. Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie das geschieht.

Phase 1: Wo alles beginnt – Rohwasseraufnahme

Die Reise beginnt an einer Wasserquelle – einem Fluss, einem See oder einem Stausee. Große Pumpen fördern Rohwasser in Behandlungsanlagen. In China ist Oberflächenwasser die Hauptquelle, und die Behörden überwachen die Wasserqualität in Echtzeit an ausgewählten Stationen landesweit.

Phase 2:  Flockung – Verklumpung von Verunreinigungen

Sobald das Wasser in der Anlage angekommen ist, gelangt es in Mischbehälter. Ein chemisches Flockungsmittel – meist Polyaluminiumchlorid – wird hinzugefügt. Es bewirkt, dass winzige Partikel wie Schlamm, Algen und Ton sich zu größeren, schwereren Flocken zusammenballen, den sogenannten Flocken.

Diese Flocken setzen sich anschließend am Boden großer Sedimentationsbecken ab und lassen klares Wasser darüber zurück. Allein dieser Schritt entfernt mehr als 80 Prozent der schwebenden Feststoffe sowie etwas organisches Material.

Phase 3: Die Kerntechnologie – Ultrafiltrationsmembranen

Ultrafiltration Membranes
Ultrafiltrationsmembranen

Die nächste Phase ist der Punkt, an dem die moderne Wasseraufbereitung wirklich glänzt: die Ultrafiltration, oder UF.

UF-Membranen fungieren als superfeine physikalische Barrieren. Ihre Poren sind nur 0,01 bis 0,1 Mikrometer breit – etwa ein Tausendstel des Durchmessers eines menschlichen Haares. Da Bakterien typischerweise fünf- bis fünfzigmal größer sind als diese Poren, werden sie vollständig abgehalten. Auch Viren werden mit einer Effizienz von über 99,99 Prozent entfernt.

Doch die Vorteile hören hier nicht auf. UF-Membranen senken auch die Wassertrübung auf unter 0,1 NTU – deutlich strenger als Chinas nationaler Standard von 1 NTU. Sie fangen große organische Moleküle wie Proteine und Huminsäuren ein.

Darüber hinaus laufen UF-Anlagen automatisch mit selbstreinigenden Rückspülzyklen. Eine gut gewartete Membran hält fünf bis acht Jahre. Im Vergleich zu älteren Sandfiltrationsmethoden verbraucht UF weniger Chemikalien, benötigt weniger Platz und liefert eine konstantere Qualität. In Entsalzungsanlagen dient UF oft als Vorbehandlungsschritt, um empfindlichere Umkehrosmosemembranen zu schützen.

Phase 4:  Desinfektion – Die letzte Sicherheitsmaßnahme

Selbst nach der Filtration ist das Wasser noch nicht bereit, die Anlage zu verlassen. Die Desinfektion bietet die letzte Sicherheit.

Die meisten chinesischen Wasserversorgungsanlagen setzen auf Chlorierung, wodurch eine geringe Restmenge Chlor im Wasser verbleibt. Dieser Restschutz wirkt gegen mikrobielles Wiederaufwachsen während der langen Reise des Wassers durch unterirdische Leitungen. Einige Anlagen verwenden auch Ozon oder ultraviolettes Licht; UV kann jedoch keinen dauerhaften Schutz im Verteilnetz bieten.

Der leichte „Chlorgeruch“, der manchmal in Leitungswasser zu spüren ist, ist harmlos und verschwindet schnell, wenn das Wasser gekocht oder stehen gelassen wird.

Die letzte Meile: In Haushalte und Gebäude

Nach der Aufbereitung und Desinfektion gelangt das Wasser in ein riesiges unterirdisches Leitungsnetz – insgesamt so lang, dass es mehrmals um die Erde reichen würde. Es fließt zu Wohngebäuden, Schulen und Büros und tritt schließlich aus, wenn jemand einen Wasserhahn aufdreht.

Warum jeder Tropfen zählt

Weltweit sind nur 0,79 Prozent des gesamten Wassers direkt nutzbares Süßwasser. In China beträgt der Pro-Kopf-Wasserbestand gerade einmal ein Viertel des weltweiten Durchschnitts, was das Land zu einem der am stärksten wasserstressierten Länder macht.

Jeder Tropfen sauberes Leitungswasser repräsentiert eine Reise über Flüsse, durch komplexe Aufbereitungssysteme und manchmal über Hunderte von Kilometern Pipeline.

Wasserschutz ist nicht nur eine gute Gewohnheit. Es ist eine gemeinsame Verantwortung – gegenüber begrenzten Ressourcen, künftigen Generationen und dem Planeten.